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Historie

Schuetzenbruderschaft Schiessstand Ehrungen

Schuetzenbruderschaft St. Hubertus 1951 e.V.

Aus den Anfängen des Schützenwesens

Das Schützenwesen hat in Reckenfeld eine ebenso lange Tradition wie die Siedlung selbst. Es ist mit der Gründung der jungen Gemeinde Mitte der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts eng verbunden. Das geht aus den alten Dokumenten eindeutig hervor. Die ersten Jahre des Schützenwesens waren allerdings in erster Linie mit der wenig zu rühmenden Eisenhandelsgesellschaft Ost und deren Prokuristen Ernst Ludwig Wilde verbunden, der bereits 1927 Ehrenvorsitzender und Schützenkönig war und in dieser Eigenschaft am 28. Juli 1928 einem der ersten Siedler in Reckenfeld, Klemens Melchers, für seine „vielseitigen Bemühungen um unseren Schützenverein und zur steten Erinnerung“ mit dem Schützenorden, eine der ersten Auszeichnungen dieser Art in Reckenfeld überreichte.
Alle Siedler aber waren mit dem Gehabe der Eisenhandelsgesellschaft doch nicht einverstanden. Ihnen schien die Aktivität von Ludwig Wilde einzig darauf gezielt, die Vorurteile gegen die Gesellschaft abzubauen. In ihrer Denkschrift vom 25. Juli 1928 über die Zustände in Reckenfeld geißelten sie vor allem die Zusammenarbeit zwischen dem Bürgermeister und Wilde und unterstellten letzterem, den Schützenverein Eintracht für einen Betrag von 300 Mark für seine Zwecke geködert zu haben. Möglicherweise ist dieser Passus in der Denkschrift auch eine persönliche Fehde zwischen Wilde und Christian Geitz, einem damaligen Siedler und Gastronom, dem auf Drängen von Wilde die Konzession für seine Gaststätte entzogen worden war und das Schützenfest lieber selbst bewirtschaftet hätte. Dafür spricht auch, dass Geitz ein Jahr später als Festwirt auftritt, als sich die Eisenhandelsgesellschaft aus dem Schützenwesen zurückgezogen hatte und die Durchführung des Schützenfestes der Eintracht von der Wirtschaftlichen Vereinigung übernommen wurde, dessen Vorstand Geitz angehörte.
Aus Anlass des 4-jährigen Bestehens der Siedlung feierten sie am 29. Juli 1929 ein Schützenfest, das, wie heute, mit dem Wecken durch den Spielmannszug um 6 Uhr eingeleitet wurde. Der Eintritt betrug damals 50 Pfennig, mit dem Reinerlös sollten die Bedürftigen in Reckenfeld unterstützt werden.
Am 1. Juli 1935 ist dann ein weiteres Mal vom Reckenfelder Schützenverein die Rede, als der Verein mit zahlreichen anderen Organisationen an der Einweihung des Krieger – Ehrenmals in der Ortsmitte teilnahm. Die seit dem 3. März 1933 für Reckenfeld zuständige Kreissiedlungsgesellschaft erwähnt dagegen den Schützenverein Eintracht in ihrer über 300 Seiten starken Dokumentation mit keinem Wort, obwohl dieser noch bis 1939 seine Schützenfeste feierte. Wahrscheinlich war sie mit den sozialen Verhältnissen in Reckenfeld zu sehr beschäftigt.

Während des Krieges kommt es zur völligen Einstellung aller Aktivitäten des Schützenwesens in Reckenfeld. Erst am 16. August 1951, nach der Stagnation durch Krieg und DP – Lager, erscheint in den „Westfälischen Nachrichten“ ein kleiner Hinweis, das am 19. August 1951, im Zusammenwirken aller kirchlichen Vereine, in den Anlagen des Hauses Marienfried durch die katholische Pfarrgemeinde, ein Sommerfest veranstaltet würde, das dem Charakter eines Schützenfestes gleichkomme. Es war das erste Schützenfest nach über 10 Jahren in Reckenfeld. Schützenkönig wurde damals der in C wohnende Mechaniker Franz Richert.

1. koeniginn

Königin beim ersten Schützfest 1951
wurde Frieda Richert (Mitte), Ehefrau des Mechanikers Franz Richert, auf dem Bild mit Pastor Müller (links) und Ernst Deitmar (rechts)

Auf der Basis dieses Festes und der damit gemachten Erfahrungen lud Pastor Müller dann am 30. August 1951 zahlreiche, an der Wiedergeburt des Schützenwesens in Reckenfeld interessierte Bürger zu einer Versammlung ein, die in der Wohnung von Wolfgang Schulz, einem späteren Eintracht-König stattfand. Obwohl Pastor Müller die Gründung einer Schützenbruderschaft vorschwebte, wurde bewusst ein neutraler Ort gewählt, um die mögliche Gründung des Vereins nicht durch weltanschauliche Prinzipien zu belasten. In der am 3. September 1951 stattgefundenen Versammlung kam es jedoch zu keiner Einigung, da Pastor Müller einen Verein wollte, der sich mehr an die katholische Gemeinde anlehnte. Der evangelischen Seite war dies aber zu einseitig konfessionell gebunden und so betrieb der katholische Seelsorger ab dem 4. September 1951 die Gründung einer Schützenbruderschaft

Schützenbruderschaft St. Hubertus

Einen Tag nach dem Scheitern der Verhandlungen zur Gründung eines Schützenvereins wandte sich Pastor Müller an den Geistlichen Rat und Generalpräses des Bundes Deutscher Schützenbruderschaften, Dr. Pater Louis in Leverkusen-Bürrig, berichtete vom Ergebnis der Zusammenkunft in Reckenfeld und bat ihm gleichzeitig um Mithilfe zur Gründung einer Schützenbruderschaft. Dabei wollte er die evangelische Seite keineswegs ausschließen, sondern im Gegenteil beteiligen. Seine Sorge galt allerdings der Frage, ob bei einer katholisch gebundenen Bruderschaft die Aufnahme von Protestanten überhaupt möglich sei, da bundesweit gleiche Organisationen rein katholisch wären. Einen Schützenverein mit etwas Bruderschaftscharakter lehnte Pastor Müller ausdrücklich ab. Die Mitgliedschaft von Protestanten befürwortete er dagegen sehr.
In seiner Antwort vom 10. September 1951 schrieb Dr. Louis, dass man es in Reckenfeld wie bei den Kolpingsfamilien halten könne, die ohne weitere Probleme auch Protestanten unter der Voraussetzung aufnehmen würden, dass sie sich zu den Vorstellungen von Adolf Kolping bekennen. Den ökumenischen Stellenwert der Bemühungen von Pastor Müller mag man heute daran erkennen, dass er die Teilnahme des damaligen evangelischen Pfarrers Kallweit am ersten Schützenfest am 19. August 1951 honorieren wollte.
Nach der Antwort von Dr. Louis, in der sich auch der Diözesanverband im Bistum Münster mit einem separaten Schreiben vom 11. September 1951 eingeschaltet hatte, bereitete Pastor Müller dann die Gründung einer Schützenbruderschaft vor. Er gewann dazu namhafte Persönlichkeiten aus den anderen katholischen Vereinen, so den Kirchenchor, der Kolpingfamilie und den Männerverein und beauftragte im Herbst 1951 den späteren Brudermeister Josef Göring mit der Einladung zur Gründungsversammlung.
In seinem Schreiben vom November 1951 wies der Unterzeichnende noch einmal auf die vergeblichen Versuche bezüglich der Realisierung eines Schützenvereins auf breiter Grundlage hin, der aus verschiedenen Gründen nicht verwirklicht werden konnte. So habe man sich für eine Schützenbruderschaft entschieden, die aber nicht nur Katholiken, sondern auch Protestanten geöffnet sei.

Am 21. November 1951 kam es dann in der Gaststätte Brinkmeyer zur Gründung der heutigen Schützenbruderschaft, der in einem spontanen Akt 20 Mitglieder beitraten.       Diese  Gründungsmitglieder waren:

Lehrer Karl Bayer
Willi Bosse                           
Hermann Röber
Karl-Heinz Brockkötter           
Bernhard Deitmar                
Bernhard Schmücker sen.
Ernst Deitmar
Egon Eixler                         
Gerhard Thünemann
Clemens Freitag
Lothar Fabian                     
Hans Sander
Josef Göring                
Arthur Hegel                       
Antonius Thünemann
Hubert Lenfort                 
Anton Luttermann              
Heinrich Utmann
Pastor Wilhelm Müller       
Martin Parnitzke

Zum ersten Brudermeister wurde in der Gründungsversammlung Josef Göring gewählt. Pastor Müller wurde Präses. Wie aus dem Protokollbuch des Heimatvereins hervorgeht, trat die neugegründete Bruderschaft noch im Jahre 1951 der Arbeitsgemeinschaft der Reckenfelder Vereine bei.
Verbunden mit der Gründung war auch die Annahme einer Satzung, aus der noch einmal hervorging, dass die Bruderschaft eine Vereinigung christlicher, nicht katholischer Männer sei. Das Mitglied musste allerdings 18 Jahre alt sein. Als Beitrag wurden für die restlichen 6 Wochen des Jahres 1951 60 Pfennig erhoben. Für 1952 wurde ein Jahresbeitrag von 1,20 DM festgesetzt. Durch intensive Werbung erhöhte sich die Zahl der Mitglieder bereits im Jahre 1952 auf 80 und 1953 kamen noch einmal 17 neue Mitglieder hinzu, so dass der junge Verein schon 2 Jahre nach seiner Gründung fast 100 Mitglieder zählte. Das war ein Fundament, auf dem man aufbauen konnte. Allerdings ging die Zahl der Mitglieder zu Lasten des Männervereins, der zwar nie eine überragende Rolle gespielt hatte, nach Gründung der Bruderschaft aber schon bald verschwand, obwohl er nie aufgelöst wurde und de facto noch heute besteht. Die anderen kirchlichen Vereine wurden durch die Gründung der Schützenbruderschaft weniger tangiert, allerdings spielte die Bruderschaft schon bald in der Männerseelsorge die dominierende Rolle im katholischen Pfarrgemeindeleben.

erster umzug

In geliehener Uniform marschierten die
Schützenbrüder erwartungsvoll zum
ersten Bruderschafts-Schützenfest 1952

 

Brudermeister Göring nimmt per Pferd die
Formation der Schützenbrüder ab. Da die
Bruderschaft noch keine Fahne hat, nehmen
die Banner der kirchlichen Vereine am Festzug teil.

erste formation

Aufbau und Konsolidierung

Nach den ersten Jahren des Aufbaus und der Festigung begann in der Bruderschaft die Zeit der Konsolidierung. Diese begann mit der Ausstattung der Schützenbrüder durch Uniform und Hut. Während die Vordenker der heutigen Bruderschaft zum ersten Schützenfest in alten Feuerwehruniformen antraten und die Ehrengarde mit den dazu passenden Mützen behütet waren, tauchte schon bald der Wunsch nach einer grünen Schützenjacke und dem entsprechenden Hut auf. Bereits am 17. Mai 1952 wurde der erste Stutzhut mit „reicher Alumontur“ (so die Rechnung) zum Stückpreis von 23 Mark und dazu ein Schützenhut in Loden mit einer Federrosette zum Komplettpreis von 15 Mark bestellt. Diesen schlossen sich am 29. Mai 1952 zwei weitere Stutzhüte, der eine mit „reicher Goldmontur“ und der zweite wiederum mit „reicher Alumontur“, dazu drei Federbüsche und fünf Schützenhüte im Gesamtpreis von 173,50 DM an.
Am 3. Juli 1952 wurde das erste offizielle Schützenfest bei der Amtsverwaltung Greven angemeldet. Für den 140 Quadratmeter großen Festraum bei Brinkmeyer mussten 14 DM an Gebühren bezahlt werden. Die Anmeldung nahm der damals 18 jährige Manfred Scharpenberg entgegen, der dort Auszubildender bei der Stadtverwaltung war und heute zu den Jubilaren der Bruderschaft zählt. Weitere Kosten beim Schützenfest 1952 waren Lack und eine Metallschleife zum Preis von einer Mark, bezogen von der Firma Bohnenkamp und 1.000 Schuss Luftgewehrmunition, die die Firma Kocker lieferte, für 7,50 DM. Für Runden zur Musik und für die Ehrengarde wurden 10 DM bezahlt und die Musik auf dem Festplatz kostete 45 DM. Für abendliche Tanzmusik wurden 60 DM ausgegeben und die Königskette kostete 78 Mark.
Erster König der Schützenbruderschaft wurde im Jahre 1952 der spätere Brudermeister Willi Bosse, der mit seiner Frau Änne vom Präses Rektor Müller zum Königspaar proklamiert wurde. Der Zufall wollte es, dass sowohl der Präses als auch der erste Brudermeister Josef Göring dem ersten Königspaar in der Königsehre folgten und 1954 bzw. 1958 ebenfalls Regenten der Bruderschaft wurden. Während Josef Göring seine Frau Maria zur Königin erkor, nahm sich Rektor Müller den Schützenbruder Dr. Albert Isfort und dessen Ehefrau Maria als Prinzregentenpaar und somit als Mitregenten. Mitte der 50er Jahre war dann die Konsolidierung des jungen Vereins abgeschlossen.

erstes koenigspaar

                                                                                     Erstes Königspaar der jungen
Bruderschaft wurde im Jahre 1952
Willi und Änne Bosse, hier mit
dem Hofstaat den Ehepaaren
Tecklenborg (rechts) und
Droste (links)

Eine neue Fahne

Nach der Einkleidung eines Großteils der Schützenbrüder mit Uniform und Schützenhut und der damit verbundenen Identifikation mit der Bruderschaft, wurde bereits nach wenigen Jahren der Ruf nach einer Fahne laut.
Dieses Requisit ist in vielen Organisationen wie Schützenvereinen, Studentenschaften, Militär usw. schlechthin der Inbegriff einer Tradition und der Inbegriff einer Tradition und das höchste Gut, auf das es aufzubauen lohnt. In früheren Kriegen wurde die Fahne bis zum letzten Mann verteidigt und selbst sterbende Soldaten begruben sie unter ihrem blutenden Körper. Gelang es dem Feind, das Banner zu erobern, war es mit der Moral der Unterlegenen vorbei. Die Fahne wird in ihrer Bedeutung noch über Orden und Auszeichnungen gesetzt, sie ist der verbale und ideelle Superlativ.
So nimmt es denn nicht Wunder, dass die Bruderschaft bereits im dritten Jahr ihres Bestehens eine Fahne bekam. Die damit verbundene Weihe war für die Schützenbrüder das erste große Ereignis nach der Gründung. Am 30. Mai 1954 kam der mit großer Spannung erwartete Tag. Dazu schrieb die Presse am 19. Mai 1954: „Nach der kirchlichen Weihe der Fahne am Vormittag, findet um 14 Uhr der Empfang der Gastvereine am Bahnhof mit einem Festzug zum Hause Marienfried statt, wo die weltliche Feierstunde zur Fahnenweihe abgehalten wird. Anschliessend folgt die Kranzniederlegung an den Ehrentafeln der Gefallenen. Den Tag beschließt ein geselliges Beisammensein im Deutschen Haus.“
Zu Fahnenoffizieren wurden in der vorbereitenden Versammlung am 16. Mai 1954 die Schützenbrüder Josef Röhring, Heinrich Utmann und Alfons Dömer gewählt.

erste fahne

Im Jahre 1954 bekam die Schützen-
Bruderschaft ihre erste Fahne. Mit
im Bild die Fahnenoffiziere Heinz
Utmann, Alfons Dömer und Josef
Röhring (von links)

Außerdem wurde eine 16 Mann starke Ehrenkompanie ernannt, die, wie alle anderen Schützen, auf das Kommando des Obristen Erwin Eixler und seines Adjutanten Hubert Lenfort hörte.

Die erste Ehrengarde präsentiert
      sich 1953 mit dem Obristen
      Heinrich Jordan in weißer Uniform

erste ehrengarde

Das Hubertuslied

Sichtbare Identifikation der Schützenbruderschaft war neben der Fahne eine Sonderheit, die weit und breit ihresgleichen sucht. Auf Wunsch des Vorstandes und insbesondere des Brudermeisters Josef Göring und seines Nachfolgers Willi Bosse komponierte der Reckenfelder Musiker Fred Riese Ende 1956 ein Lied, das er zugleich textete und am 3. Februar 1957 der Bruderschaft als Vereinslied überreichte. Als einmaliges Honorar erhielt Fred Riese den Betrag von 30 DM und übertrug damit auch sämtliche Rechte auf den Verein. Das Bruderschaftslied wurde im Oktober 1971 von dem damaligen Dirigenten Otto Frey für 4 Stimmen arrangiert und gehört heute zum musikalischen und gern gesungenen Fundus der Bruderschaft.

Der Text des Bruderschaftsliedes von Fred Riese hat folgenden Wortlaut:

Es sind der Worte dreie,
die wir uns auserkoren.
Fest halten wir die Treue
und haben uns geschworen:
Was auf der Fahne steht,
uns über alles geht.

Denn Glaube, Heimat, Sitte
dürfen niemals untergehen
und wird in unserer Mitte
auch ewiglich bestehen.
Hubertus, gib uns Kraft
Für Deine Bruderschaft.

Steht auch die Welt im Streite,
wir wollen nicht verzagen.
Als Brüder Seit an Seite
gemeinsam alles tragen.
Herr, halt in Deiner Hand
Volk, Kirche, Vaterland.

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